Meine Vita - Wissenschaftliche Gesundheitssystemgestaltung

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Meine Vita

Wer bin ich?
 

Geboren wurde ich im Oktober 1960 in Dortmund, damals noch Kohle-, Stahl- und Bierstadt, zwischen vier Zechen im Norden der Stadt. Meine Mutter war, wie damals üblich, Hausfrau und starb mit 80 Jahren, an einer Erkrankung, die sie allen verheimlichte und die auch die Medizin nicht wirklich erklären konnte. Mein Vater war Fahrsteiger, also Schichtführer, auf einer Dortmunder Zeche. Er starb bei einem Grubenunglück und zwar, wie mir ein Kumpel, der nach eigener Aussage dabei war, später erzählte, beim Versuch einem Eingeschlossenen zu helfen. Diese frühe Erfahrung mit Tod und Sterben, aber auch selbstloser Hingabe, ist für mich ein Schlüsselerlebnis gewesen. Es betrifft die Endlichkeit des Lebens, aber auch das Verständnis, dass das eigene Handeln besonderen Sinn erhält durch das Handeln mit und für Andere.

Als Teenager wollte ich Astronomie studieren, weil ich, fortschrittsgläubig, meinte, das Wohl der Menschheit läge im Weltenall. Doch dann brachte mich der Zivildienst in der Notaufnahme der Städtischen Kliniken in Dortmund auf einen anderen Weg. Er veränderte meine Sicht auf die weltlichen Dinge. Nie wieder Krankenhaus‘ sagte ich mir zunächst. Zu viel Tod, aber vor allem zu viel des menschlichen Elends hatte ich gesehen, ein erlebter Affront gegenüber meiner wohlbehüteten Kindheit und Jugend: Alkoholiker, Obdachlose, Selbstmörder, vereinsamte alte Menschen, geistig und seelisch Erkrankte. Es wurde schnell klar: Wer die weltlichen Probleme nicht lösen kann, braucht nicht auf die Sterne zu schielen. Ich brach mein Studium der Physik nach wenigen Wochen ab.

Ich wollte zumindest daran arbeiten, mein Verständnis für die Gesellschaft zu verbessern und andere Menschen daran teilhaben zu lassen, was ich erfahren hatte, deshalb studierte ich Sozialwissenschaft. Und wie der Zufall es wollte begegnete ich der für mich in wissenschaftlicher Hinsicht bedeutendsten Person meines Lebens: Prof. Dr. Theo Thiemeyer,  für mich der Inbegriff des aufrechten und ehrlichen Wissenschaftlers. Prof. Thiemeyer war damals einer der wenigen, neben etwa Prof. S. Eichhorn, der sich als ausgewiesener  Krankenhausbetriebswirt verstand, und zu der Zeit  war er auch einer der angesehensten Gesundheitsökonomen in Deutschland.  Bis zu seinem Tod prägte er meine wissenschaftliche Laufbahn. Ich schrieb bei ihm meine Diplomarbeit („Gesundheitsgefährdung am Arbeitsplatz – Sozialökonomische und Sozialpolitische Betrachtungen"), arbeitete dann ab 1987 zunächst als studentische, dann als wissenschaftliche Hilfskraft und schließlich ab 1989 als wissenschaftlicher Mitarbeiter an seinem Lehrstuhl für Sozialpolitik und öffentliche Wirtschaft an der Ruhr-Universität-Bochum.

Sein plötzlicher Tod im November 1991 war für mich nicht nur der Verlust eines Lehrmeisters, sondern eines Mannes, für den ich die höchste Wertschätzung hatte, dessen Tod auch einen riesigen Verlust für die undogmatische Gesundheitsökonomie darstellte.

Mehr durch Zufall wurde mir dann angeboten, als Referent für Gesundheitspolitik, Arbeitsschutz und Selbstverwaltung bei der Gewerkschaft ÖTV in Stuttgart tätig zu werden. Da unter den Bewerbern für die Lehrstuhlnachfolge kein ausgewiesener Gesundheitsexperte war und der dann ausgewählte neue Lehrstuhlinhaber dann auch tatsächlich andere Schwerpunkte aufwies, weder gesundheitsökonomisch noch krankenhausbetriebswirtschaftlich orientiert war, entschloss ich mich zu wechseln und meine große Liebe, die sozialökonomische Wissenschaft zu verlassen.

Vier Jahre nahm ich die Erfahrung der fachpolitischen Arbeit, die letzten zwei Jahre als Leiter des Referats Gesundheitspolitik und Arbeitsschutz,  in mich auf. Der Vorteil einer gewerkschaftlichen Verbandsarbeit ist die betriebliche Nähe, insbesondere zum Krankenhausbereich. Mir wurde sehr schnell klar, wie praxisnah die Ausbildung meines akademischen Lehrers gewesen war. Doch insbesondere die zahlreichen Auslandsseminare in Ost- und Mitteleuorpa, in der Transformationszeit von der stalinistisch geprägten Staatswirtschaft hin zur Marktwirtschaft, machten mir deutlich, dass meine Erfahrungen und Kenntnisse noch nicht ausreichten.

Ich wechselte 1996 in den Krankenhausbereich, arbeitete bei den Kliniken der Stadt Ludwigshafen im Bereich Personal, vor allem Personalcontrolling, kündigte dort aber kurzentschlossen nach nur sieben Monaten, als ich feststellen musste, dass die vermeintlichen gemeinsamen Ziele zwischen den dort leitenden Personen und mir nicht vorhanden war. Durch ein Beratungsprojekt geriet ich dann schließlich 1997 in das im Aufbau befindliche Klinikum Hannover, wo ich zunächst als angestellter Projektberater für die betriebliche Interessenvertretung und dann als Berater für krankenhausstrategische Fragen des zuständigen Wirtschaftsdezernenten, Herrn Karoff, nach einem Jahr auf Wunsch des Klinikums, als Assistent des Leitenden Direktors Prof. Schmid arbeitete.

Prof. Schmid war für mich der zweite große Lehrer, der vor allem deswegen so wertvoll für mich war, weil er zum einen die Stärke besaß, meine Fähigkeiten und Kompetenzen als Ergänzung zu seinen anzunehmen, und weil er mich lehrte und mir ständig bewies, dass aufmerksame Geduld und Authentizität zwei sehr wohl zusammengehörige Aspekte von Führung sind.

Die Zusammenarbeit endete mit meinem Wechsel an das Klinikum Dortmund, als Arbeitsdirektor und als einer von zunächst vier Geschäftsführern, also an das Krankenhaus, das der Grund dafür war, dass ich nicht Natur-, sondern Gesellschaftswissenschaftler geworden war. Von 2003 an war ich zunächst Arbeitsdirektor, schließlich auch Geschäftsführer der neu geschaffenen Servicegesellschaft, dann, als die beiden Geschäftsführerpositionen für Pflege und Medizin gestrichen wurden, zusätzlich für diese Aufgabengebiete verantwortlich.  4500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und ein Umsatz von mehr als 230 Mio.Euro waren eine große Erfahrung und sie haben meine praktische Sicht auf die Dinge geprägt.  Ich habe gelernt, dass man die Menschen nur gut führen kann, wenn man sie vorurteilsfrei respektiert, wenn man ihnen gegenüber mit wohlwollender Kompetenz, Verlässlichkeit und Vertrauen gegenüber auftritt. Ich musste aber auch lernen, dass das Krankenhaus gerade an der Spitze Zusammenhalt benötigt. Gerade deshalb habe ich in einer wirtschaftlich und, für ein kommunales Krankenhaus ebenso bedeutend,  politisch schwierigen Situation beschlossen, im Vertrauen mit den politisch Verantwortlichen, meinen Vertrag vorzeitig zu beenden, auch wenn das bedeutete, dass ich einmal mehr nach der Wissenschaft auch meine zweite große berufliche Leidenschaft beenden musste. Diese Leidenschaft bestand aus einer hohen Zahl engagierter und fähiger Menschen, die alle in einem System arbeiten, dass aus meiner Sicht nach undogmatischer humaner Veränderung schreit.

 
 
 
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